Das jüdische Volk hat die Jahrhunderte überdauert und das Judentum ist immer noch eine Realität. Jenseits einfacher menschlicher oder natürlicher, genetischer oder soziokultureller Faktoren erklärt sich diese nahezu einzigartige Beharrlichkeit tiefgehend aus theologischen Gründen. Diese wurden von der Kirche bis vor Kurzem immer gelehrt. Das jüdische Volk bleibt in der Geschichte tatsächlich als Ablehnung Christi bestehen. Es ist diese Ablehnung, die ihm seine geheimnisvolle, übernatürliche Kohäsion verleiht.
Anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Erklärung Nostra aetate bekräftigte Papst Franziskus jedoch, dass „die Kirche, während sie das Heil durch den Glauben an Christus verkündet, den unwiderruflichen Charakter des Alten Bundes anerkennt“. Das Zweite Vatikanische Konzil hat somit eine radikale Änderung in der katholischen Lehre eingeführt. Wäre die Ablehnung Christi mit der Fortdauer des mosaischen Gesetzes vereinbar? Kann das zeitgenössische Judentum als Erbe des Israels Gottes, des auserwählten Volkes des alten Bundes, beansprucht werden? Dies sind die Fragen, die dieses Buch zu beantworten versucht, um dieses Geheimnis des jüdischen Volkes nicht aus den Augen zu verlieren und dessen Bedeutung im Licht der Lehren der Tradition zu verstehen.
Abbé Jean-Michel Gleize, 1966 geboren und Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X., lehrt seit 1996 Ekklesiologie und Fundamentaltheologie am Seminar in Ecône, Schweiz.
Erweiterte und korrigierte Ausgabe.
148 x 210 mm
235 Seiten